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Frauen*Rollen*Bilder - Feministische Positionen

02/2021
kunst und kirche 2/2021

Aktuell machen Wirtschaftsforschungsinstitute auf die prekäre Situation von Frauen am Arbeitsmarkt aufmerksam und nennen Frauen die „Verliererinnen der Pandemie“. Zudem leiden vorrangig Frauen unter der Doppelbelastung von Home-Office, Home-Schooling und Care-Arbeit, da überwiegend sie Haushalt und Betreuungspflichten übernehmen. Eine Studie an der Technischen Universität München hatte bereits im Sommer 2020 – aufbauend auf einer repräsentativen Umfrage unter 3800 Frauen – ermittelt, dass gut 3 Prozent der Frauen in Deutschland in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen zu Hause Opfer körperlicher Gewalt, 3,6 Prozent Opfer sexualisierter Gewalt wurden. Hatten Frauenbewegungen um 1900 die politische Gleichstellung von Frauen und Männern sukzessive erkämpft und in den 1960er/70er Jahren mit Parolen wie „das Private ist politisch“ das Selbstbestimmungsrecht von Frauen über ihr Leben und ihren Körper durchsetzen können, so müssen wir heute fragen, wo wir in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit aktuell stehen. Bereits seit den 1990er Jahren sind verstärkt Ermüdungserscheinungen gegenüber ‚Frauenthemen‘ und neue Antifeminismen zu beobachten. Immer wieder geführte Debatten um Frauenquoten in Wirtschaft und Politik und das seit 2017 in Folge der #MeToo Bewegung bekannt gewordene erschreckende Ausmaß von sexualisierter Gewalt gegen Frauen in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen machen deutlich, dass Diskriminierungen, Gewalt und geschlechterspezifische Kollektivzuweisungen immer noch Alltag sind. Auch die christlichen Kirchen haben Anteil an gesellschaftlichen Geschlechter- Diskussionen, prägen diese mehr oder weniger mit. Feministische Theoriebildung heute definiert Geschlecht (gender) als soziale Konstruktion und damit unabhängig vom biologischen Geschlecht (sex). Geschlechterrollen sind soziale Zuschreibungen, die gesellschaftliche Machtverhältnisse und geschlechtsspezifische Benachteiligungen etablieren. Auf breiter Ebene und aus unterschiedlichen Blickrichtungen fordern die Autor*innen des vorliegenden Heftes die Dekonstruktion des bi-polaren Denkens von Geschlecht, die Abkehr von Kollektivbegriffen wie ‚Frau‘ oder ‚Mann‘ und damit die Förderung der Gleichstellung aller Geschlechter. Kunst, die immer auch als Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit gelesen werden muss, reagiert vielfältig auf geschlechtertheoretische Auseinandersetzung. So zeigt das Heft unterschiedliche, subjektive und teils irritierende Positionen feministischer Kunst- und Ausstellungspraxis auf. Die Zeichen der Zeit stehen auf pink ist Hoffnung und Kampfansage zugleich!

Anna Minta und Birgit Weindl

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