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Transformationen

02/2008
Transformationen

Alltäglich geschehen Transformationen. Um die Mittagszeit wird zum Beispiel die Paprika auf dem ästhetischen Höhepunkt ihres frischroten Erscheinens verwandelt, eingedunkelt im Topf der Köchin, zerkaut im Mund des genießenden Essers und entbindet, so sich wandelnd, ihren sauer süßen Geschmack. Keine Transformation ohne Negation. Es muss die sinnliche Form der frischen roten Paprika vergehen, damit ihr innerer Sinn entsteht.
Es wäre ein spannende Frage, die in diesem Heft, randvoll mit Transformationen, nicht beantwortet wird, welchen Anteil die Gastronomie, die spanischen, griechischen, türkischen, chinesischen Restaurants, die sich neben der deutschen Küche im Norden Dortmunds etabliert haben, für die Verwandlung dieses Quartiers leisten. Ein Künstler, der dafür ein Sensorium hat, ist Max Bottini. Seine Kunst um das tägliche Brot verwandelt Menschen in grenzenüberschreitende Tischgemeinschaften. Augenfällig wird in solchem „grenzenlosfeiern“ der sachliche Zusammenhang zwischen der gastronomischen und der religiöse Transformationsarbeit. Auch wenn sich die lutherische Abendmahlstheologie von der katholischen Transsubstantiationslehre abgesetzt hat, auf eine reale Transformation am Tisch des Herrn wollte auch Luther nicht verzichten. Brot und Wein werden zur realen Präsenz Gottes in mir, wenn sie im Glauben angeeignet werden. Neues Sein in Brot und Wein. Gibt es Verbindungslinien von diesem transformativen Zentrum des christlichen Glaubens zu den Veränderungsprozessen im sozialen und politischen Raum? Ist die Kirche ein Ferment der Verwandlungen im Ruhrgebiet? Ist sie das Korrektiv? Oder das Opfer?  
Phänomene und Konzepte des Wandels in der Kirche, in der Kunst, in der Stadt Dortmund und in der Region Ruhrgebiet, das bietet diese Ausgabe von „kunst und kirche“. Und sie stellt fünf Kirchen in Dortmund vor, die exemplarisch sind für bestimmte Konstellationen des Wandels. Vermutlich sind die Transformationen im Ruhrgebiet auch darin exemplarisch, dass sie nicht vorübergehend sind. Die künftige Kontinuität in dieser Region besteht in einem kontinuierlichen Wandel, einem semper reformanda, für das die Kirchengemeinden der Region eine belastbare Kompetenz mitbringen.
Konzepte und Phänomene des Wandels ist auch das Thema des Kirchbautages in Dortmund vom 23.- 26. Oktober 2008. Dieses Heft will Sie nicht nur in das Thema des Kirchbautages „Transformationen. Übergänge gestalten“ einführen. Es will auch ein „appetizer“ für den Kirchbautag selber sein. Die Lektüre dieses Heftes informiert Sie gründlich. Einen Besuch des Kirchbautages ersetzt sie gleichwohl nicht. Dieser bietet neben Vorträgen und Exkursionen vor allem eines, ein ausgedehntes „Tischgespräch“, ein „talking around the table“ zwischen Architekten, Theologen, Denkmalschützern, Stadtplanern, Soziologen, Künstlern und engagierten Laien zu den Zukunftsperspektiven der Kirche in einer Region, die sich wandelt.

Thomas Erne

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