Luther

02/2017
kunst und kirche 2/2017

Wer war Martin Luther? – Erneuerer oder Kirchenspalter? Feingeist oder Grobian? Superstar oder Befreier der Künste? – Im Jahr des 500. Reformationsjubiläums vervielfältigen sich die Bilder des Reformators, die sein Bild zugleich freisetzen und festlegen.

Fest steht: Luther war nicht nur ein Mann des Wortes, sondern auch ein Mann des Bildes. Mit seiner distanzierten und zugleich pragmatischen Haltung gegenüber den Kultbildern seiner Zeit verschuf er den Bildern – nolens volens – Gestaltungs- und Reflexionsraum jenseits ihrer religiösen Funktionen (Bredekamp). – Mit Blick auf seine eigene Ikonographie inszenierte und propagierte er zusammen mit Lucas Cranach seine eigene Sichtbarkeit, die im aktuellen Jubiläumsjahr bisweilen kuriose Blüten treibt (Stoellger).

Welche Lutherbilder suchen und finden wir? (Steffens/Birck) Wie gedenken wir der Person und des Werkes Martin Luthers? (Claussen/Ochs) Wie verorten wir Luther in der Gegenwart? (Rott/Götze) Und welche künstlerischen Impulse setzt er heute frei? (Smerling/Shiota) – Schließlich: Welche Auswirkungen haben Jubiläumsjahre wie das Jahr 2017 auf unser Bildrepertoire der Reformation und die kulturpolitischen Debatten der Gegenwart? (Jaissle/Zimmermann)

Diese und andere Fragen stehen im Fokus eines Themenheftes, das sich dem Reformator durch die Brille der Künste nähert. Dabei entsteht eine Galerie, die sich aus der Faszination für den Reformator und dem Bewusstsein für seine Ambivalenzen speist: Luther, der Bildpropagandist und der Ikonoklast. Luther, der Populäre und der bleibend Fremde. Luther, der Prägnante und der Formbare… – Beide Seiten kommen in der Zusammenschau in einer Art Kippfigur zusammen, die das Bild des Reformators lebendig hält.

Dass – wie es Olaf Zimmermann ausdrückt – „Luther nicht nur der Kirche gehört“, sondern es sich lohnt, den Reformator von vielen Seiten her – nicht zuletzt von Seiten der Künste – in den Blick zu nehmen, zeigt das Panorama dieses Heftes, das selbstverständlich kein umfassendes Bild zeichnen kann, sondern eine Momentaufnahme der künstlerischen Perspektiven auf Martin Luther, den Reformator, im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017 darstellt.

Wer auch immer Martin Luther war: Luther bleibt eine schillernde Gestalt, die sich nicht auf wenige Bilder herunterbrechen lässt, sondern eine Vielzahl von Bildperspektiven verkörpert.

Hannes Langbein

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