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dOCUMENTA(13)

04/2012
dOCUMENTA(13)

Religion und dOCUMENTA (13)

Ein Themenheft von kunst und kirche zur dOCUMENTA (13) ist kein verspäteter Kommentar zu einem in jeder Hinsicht ausreichend diskutierten Kunstereignis. Vielmehr gilt es, eine Leerstelle zu füllen: das ‚Nichtverhältnis‘ der Leitung der dOCUMENTA (13) zur Religion. Während auf institutioneller Ebene die Kuratorin die Religion aus den für die Kunst relevanten Dimensionen der Wirklichkeit kurzerhand herausdefinierte, arbeiteten auf der Ebene individueller Praxis die KünstlerInnen entweder unbefangen mit explizit religiösen Bezügen (z. B. die Klanginstallation von Cardiff & Miller oder die Betenden Motoren von Thomas Bayrle) oder schließen religiöse Deutungen ihrer Arbeiten jedenfalls nicht dezidiert aus.

Konnte ein Besucher / eine Besucherin der dOCUMENTA (13) auf seinem/ ihrem Gang vom Brain im Fridericianum, über das Ottoneum, die Documentahalle zur Orangerie durch die Karlsaue bis hin zu Neuer Galerie und Kulturbahnhof in den Positionen der KünstlerInnen auch etwas über die Religion der Gegenwart erfahren?

Und trägt eine religiöse Deutung etwas bei zu der Kunst, wie sie auf der dOCUMENTA (13) zu sehen war? Eine Schärfung der Wahrnehmung, ein Blick auf die Tiefenstruktur, eine Erfahrungsdimension zwischen den Kulturen?

Das sind Fragen, die in diesem dOCUMENTA (13)-Heft von kunst und kirche verfolgt werden. In vier Essays wird die Programmatik der dOCUMENTA (13) beleuchtet. An die 40 Werkbegegnungen beschreiben ausgewählte Exponate, artikulieren Erfahrungen, benennen religiöse Bezüge, pointieren Erkenntnisweisen der Kunst.

Zwei Problemhorizonte werden dabei tangiert: Vermag Religion Gegenwartskunst in spezifischer Weise zu erschließen? Gibt die Kunst darin möglicherweise Aspekte preis, die einer religionsfernen Programmatik verschlossen bleiben? Und umgekehrt: Muss immer „Religion“ gesagt werden, wenn transzendente Qualitäten artikuliert werden? Welche Sprache taugt, um abseits von christlichen Begriffshülsen Sinndimensionen der Gegenwartskunst zu erschließen?

Kunsthistorikerinnen, Theologen, Philosophinnen und Kulturwissenschaftler leisten in diesem Heft eine Rezeption der dOCUMENTA (13), die mancherorts dem Konzept von Carolyn Christov-Bakargiev folgt, andernorts dieses auch unbekümmert verlässt. Die Autoren und Autorinnen erproben unterschiedliche Zugangsweisen – darin ist Heft 04/2012 von kunst und kirche auch ein Experimentierraum der Sprachen zwischen Gegenwartskunst und Religion.

Monika Leisch-Kiesl und Thomas Erne

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