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Das Humboldt Forum

02/2019
kunst und kirche 2/2019

„Es ist kein ander Heil, es ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn der Name Jesu, zu Ehren des Vaters, daß im Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“ Diese auf neutestamentliche Verse basierenden Sätze ließ Friedrich Wilhelm IV. auf der Kuppel des Berliner Stadtschlosses anbringen. Sie finden sich auch in dessen Wiederaufbau als Humboldt Forum. Welchen neuen Beiklang erhalten sie, was machen sie unabsichtlich hörbar, wenn unter ihnen zukünftig außereuropäische und kolonial belastete Sammlungen gezeigt werden? Solche Fragen standen im Hintergrund eines Heftes, das sich anlässlich der geplanten Eröffnung Ende 2019 dem Humboldt Forum widmet. Nach einer grundsätzlichen Einordnung der kunst und kirche-Redakteurin Johanna Di Blasi (Wie humboldtsch ist das Humboldt Forum?) werden VertreterInnen des Schlosses zu Wort kommen. Über kulturdiplomatische Aushandlungsprozesse und Formen ritueller Einbindung von Akten der Restitution sprechen der EKD-Kulturbeauftragte Johann Hinrich Claussen und Johanna Di Blasi mit dem Intendanten des Humboldt Forums, Hartmut Dorgerloh, und dem Sammlungsleiter, Lars-Christian Koch. Laura Goldenbaum beschäftigt sich mit dem Kuppelkreuz und dem „schmetternden Kommentar“ aus goldenen Lettern, Andrea Scholz und Maria Gaida geben Einblicke, wie das Thema missionarischer Sammeltätigkeit auf den Museumsflächen Aufarbeitung findet. Mit Christian Kopp und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung haben wir auch mit dezidierten Kritikern über das Humboldt Forum gesprochen: Kopp ist Initiator des NGO-Kampagnen-Bündnisses No Humboldt 21, das auf die vollständige Aufarbeitung der kolonialen Provenienzen dringt. Dem Bündnis gehören verschiedene postkoloniale Initiativen an, darunter auch Kirche von Unten (KvU). Der in Berlin lebende kamerunische Co-Kurator der vergangenen documenta 14 Ndikung nimmt eine kritische Position zur vorherrschenden Ausstellungspraxis in westlichen Museen ein und fordert vehement die Restitution geraubter und gestohlener Objekte. Abschließend blickt Hendrik Brinkmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin, aus der Vogelperspektive auf Berlins historische Mitte und setzt das rekonstruierte Schloss mit einem anderen großen Rekonstruktionsprojekt in Relation: Schinkels Bauakademie. Dabei wird deutlich, dass Rekonstruktionen nur als Neuerfindungen zu haben sind.

Johanna und Luca Di Blasi

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