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China

02/2018
China

China bietet einen enormen kulturellen Reichtum. Das vorliegende Heft richtet den Blick auf einen kleinen Aspekt dieses Reichtums, der im Westen noch wenig bekannt ist: auf die zeitgenössische christliche Kunst und den aktuellen Kirchenbau in diesem Land. Und von diesem Aspekt zeigen wir wiederum nur einen kleinen Ausschnitt, als Einstieg in die Thematik. Das Heft hat drei Themenschwerpunkte: Der erste ist der Situation der Christen im heutigen China gewidmet, der zweite der zeitgenössischen christlichen Kunst und der dritte dem gegenwärtigen Kirchenbau. Vier Artikel führen in diese Themen ein, ergänzt werden sie durch monographische Darstellungen von fünf Künstlern und vier Kirchen. Den Abschluss bildet ein Interview. Den chinesischen Stimmen und den Bildern ist im Heft viel Platz eingeräumt. Wir möchten dazu einladen, erst einmal zuzuhören und genau hinzuschauen. Man begegnet in China einem Christentum, das mit anderen Fragestellungen konfrontiert ist, als wir sie im Westen haben. Es herrscht Aufbruchsstimmung. Viele der Christen, die neu zum Glauben finden, sind überwältigt von der Befreiung, die sie durch das Evangelium erfahren. Doch können manche ihren Glauben nicht frei ausüben, sind Restriktionen ausgesetzt. Grundlegende Fragen stellen sich: Wie bildet man eine Gemeinde? Kann man Gott und
dem Staat dienen? Welche Kriterien muss Kunst erfüllen, damit man sie als christliche Kunst bezeichnen kann? Man fühlt sich an die Situation des frühen Christentums erinnert. Wie bei uns ist das Spektrum der theologischen Ausrichtungen riesig, von evangelikal bis hin zu einer Form von Kulturchristentum. Zu gern würde man vergleichen und sich austauschen. Für den Moment
muss der Vergleich den Leserinnen und Lesern überlassen bleiben. Entsprechend den unterschiedlichen theologischen Ausrichtungen, gibt es auch in der christlichen Kunst und im Kirchenbau einen großen Variantenreichtum. Früher orientierten sich die Künstler und Architekten vorwiegend an westlichen Vorbildern, wofür es auch im heutigen Kirchenbau noch Beispiele gibt. Dann gab es eine Phase der Indigenisierung oder Inkulturation, in der Christliches mittels einer chinesischen Formensprache ausgedrückt wurde. Davon unterscheiden sich die in diesem Heft vorgestellten zeitgenössischen Künstler, die in Bezug auf ihre Kunst von Kontextualisierung sprechen. Viele von ihnen reflektieren in ihren Werken die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse im Land aus einer christlichen Sicht. Noch immer ist in China die Redefreiheit eingeschränkt. Die Kunst bietet in ihrer Deutungsoffenheit eine Alternative, sich zu artikulieren.

JOHANNES STÜCKELBERGER

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