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Kirche für die Stadt - evangelisch? sakral? präsent?

03/2014
Kirche für die Stadt - evangelisch? sakral? präsent?

Sakral ist kein evangelisches Hauptwort. Im Motto des 28. Ev. Kirchbautages 2014 in München „Evangelisch präsent – Kirche gestalten für die Stadt“ kommt es daher auch nicht vor. Wenn man sich jedoch mit Architekten und Studierenden der Architektur über die Zukunft der Kirchen in einer Stadt wie München Gedanken macht, dann gelingt es genau diesem Wort das Nachdenken zu orientieren. Deshalb wird in dieser Ausgabe von kunst und kirche, die zum Münchner Kirchbautag erscheint, das Wort „sakral“ zu „evangelisch“ und „präsent“ hinzugefügt. Alle drei Stichworte aber stehen mit einem Fragezeichen. Denn es geht in dieser Ausgabe um eine Suchbewegung, die nicht von übergeordneten Ideen ausgeht, sondern von der konkreten Erfahrung von konkreten Personen an konkreten Orten, hauptsächlich von Künstlern, Architektinnen, Theologen und Studierenden in München.

In welche Richtung der Begriff des Sakralen die Suche weist, zeigt der Soziologe Hans Joas. In seinem Buch „Sakralität der Person“ bezeichnet er als sakral einen „nicht durch eigene Leistung erworbenen, aber auch nicht verlierbaren und zerstörbaren Kern jedes menschlichen Wesens“ (2011, 224). Wie kommt er zu dieser Auffassung, dass jeder Mensch, auch Kinder, Kranke und Demente als Personen unantastbar, also sakral sind? Offenbar, weil Menschen sich so erleben. Ein Ort für die Erfahrung, in meiner unantastbaren Würde gewürdigt zu werden von einem transzendenten Gegenüber sind Kirchen. Orte, wo Sakralität, der unverlierbare Kern der eigenen Person, in der Beziehung zu Gott erlebt wird. Das macht auch die Bedeutung der Kirchen für die Entwicklung einer Stadt aus. Und auf die Präsenz dieses Erlebens von Sakralität in einem Kirchenraum beziehen sich dann auch die konfessionellen Unterschiede, die nach wie vor in Kirchenräumen spürbar sind. Es sind differente Gestaltungen einer geteilten Erfahrung der unverlierbaren Würde jedes Menschen in der Beziehung zu Gott.

Diese Ausgabe von kunst und kirche begleiten die Graffiti eines Frankfurter Künstlers. Herr Peng, so sein Pseudonym, hat das Heft behandelt wie die Stadt, in der er sonst seine subversiven Spuren hinterlässt.

Thomas Erne

 

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