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Die Kunst zu sammeln

02/2009
Die Kunst zu sammeln

Die Fertigstellung des Kunstmuseums „Kolumba“ der Erzdiözese Köln vor eineinhalb Jahren war Ausgangspunkt für die Idee der Redaktion von „Kunst und Kirche“ der „Kunst des Sammelns“ ein Themenheft zu widmen. Der Fokus sollte nicht auf einer theoretisch-kulturgeschichtlichen Darstellung verschiedener Ansätze von Sammlungen sein, sondern der „Spirit“, der private Sammler und Sammlerinnen wie kirchliche Institutionen antreibt, Kunst zu sammeln und auf sehr unterschiedliche Weise zu präsentieren. Jede gelungene Sammlung trägt eine individuelle, kreative Handschrift. „Sicher muß der Sammler auch ein Künstler sein…“, bringt es der langjährige Herausgeber und Redakteur dieser Zeitschrift, Günter Rombold, im Gespräch auf den Punkt. Um dem auf die Spur zu kommen und gerecht zu werden, haben wir uns mehr als sonst zur Form des Interviews entschieden, dem Blick auf Kunstsammlungen verschiedenster Art aber auch zwei konkrete Künstlerprojekte zur Seite gestellt.
Den Auftakt muss „Kolumba“ bilden, das die Spannung zwischen Sakralkunst und autonomer Gegenwartskunst als Museumskonzept am weitesten und mit großer kreativ-innovativer Kraft wie Sensibilität vorangetrieben hat und eine erste Bewährungsphase in neuer Architektur und Aufstellung bereits hinter sich hat. Der Jesuit Friedhelm Mennekes und der Tübinger Kulturwissenschaftler Gottfried Korff würdigen diese Art zu sammeln, das Kuratorenteam von Kolumba und die hervorragende, mit bedeutenden internationalen Preisen ausgezeichnete Architektur von Peter Zumthor.
Eine Übersicht über die Umfrage zur leider ziemlich erbärmlichen „Sammlungsmoral kirchlicher Museen im Zeitgenössischen“ liefert der ehem. Direktor des Diözesanmuseums Freising, Peter Steiner. Es sind darunter nicht sehr viele, denen zeitgenössische Kunst ein Anliegen ist. Ein Glanzbeispiel bildet das steirische Stift Admont, dessen Sammlung von Herwig G. Höller vorgestellt wird.
Private Sammler stehen im Heft im Mittelpunkt von Interviews: Karlheinz Essl, der Initiator und Eigentümer des größten Privatmuseums in Österreich, positioniert sich im Gespräch mit Michael Hölzl pointiert über den christlichen Hintergrund seiner Sammlungstätigkeit. Die beiden Heftredakteure führten Gespräche mit dem Sammler Günter Rombold und mit Anna und Gerhard Lenz, die konsequent die weltweit umfassendste Sammlung der Künstlergruppe ZERO aufgebaut haben, um die sie viele staatliche Museen beneiden, aber auch mit Micol Forti, Direktorin der von Papst Paul VI. initiierten Sammlung „moderner sakraler Kunst“ in den Vatikanischen Museen. Bernhard A. Böhler skizziert den Sammler Otto Mauer.
Dazu werden zwei für dieses Themenfeld beispielhafte Kirchen vorgestellt: Einmal die Pax Christi Kirche in Krefeld, dessen Pfarrer Karl Josef Maßen über Jahrzehnte zeitgenössische Kunst am Kunstmarkt gekauft hat und sie als „Ars Sacra“ in den Kirchenraum integrierte: Guido Schlimbach würdigt diesen historisch zu nennenden Ansatz. Dem gegenüber steht die Grazer Kirche St. Andrä, wo Pfarrer Hermann Glettler in einem noch nicht abgeschlossenen Langzeitprojekt zeitgenössische Künstler zu dialogischen „Interaktionen im Sakralraum“ eingeladen hat.

Alois Kölbl, Johannes Rauchenberger

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